Gewinne schützen, wenn Währungen schwanken

Quelle: The Economist Intelligence Unit (EIU)

Ausländische Gewinne vor ungünstigen Währungsschwankungen zu schützen gehört zu den schwierigsten Problemen, mit denen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu kämpfen haben.

Es hilft, die Gewinne und Verluste aus Währungsschwankungen zu berechnen und eine geeignete Strategie festzulegen.

Ausländische Gewinne vor ungünstigen Währungsschwankungen zu schützen gehört zu den schwierigsten Problemen, mit denen kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) zu kämpfen haben. Wenn sich die Wechselkurse zwischen der Heimat- und der Fremdwährung verändern, kann sich das zugunsten des Unternehmens auswirken. Es kann aber auch den kompletten Gewinn einer Transaktion zunichtemachen. Schätzungsweise acht von zehn britischen KMUs mit Exportaktivitäten verzeichnen Gewinne oder Verluste, die auf Wechselkursschwankungen zurückzuführen sind.1

Große Unternehmen haben ganze Teams, die diese Risiken minimieren. Kleine Unternehmen hingegen haben dafür üblicherweise nur einen oder zwei Mitarbeiter, die gleichzeitig andere Aufgaben wahrnehmen. Große Unternehmen haben auch eher Niederlassungen im Zielland, die ein- und ausgehende Zahlungen in lokaler Währung abwickeln, wodurch weniger Umsätze dem Währungsrisiko ausgesetzt sind.2

Zur Bewältigung der Risiken stehen KMUs unter anderem diese Optionen offen: Gar nichts tun und das Beste hoffen. Ein Bankkonto im Zielland eröffnen, um Zahlungen in der lokalen Währung abzuwickeln. Das Risiko mit Finanzinstrumenten absichern. Offene Forderungen mit einem Abschlag an eine Factoring-Gesellschaft verkaufen, die dann das Risiko von Währungsschwankungen und Zahlungsausfällen übernimmt.

Wie entscheiden sich KMUs zwischen diesen vielen Optionen? Es ist nicht immer leicht, objektive Beratung zum Minimieren von Währungsrisiken zu finden. Das Handels- und Investitionsministerium der britischen Regierung gibt beispielsweise keine Hinweise zu diesem Punkt, obwohl sie den KMUs zu anderen ausfuhrbezogenen Themen ausführliche Informationen zur Verfügung stellt. Wirtschaftsverbände im Vereinigten Königreich, wie die britische Handelskammer, überlassen die Beratung im Allgemeinen kommerziellen Devisenmaklern.

Um einen Weg aus diesem Labyrinth zu finden, muss man zunächst die Risikobereitschaft des Unternehmens verstehen. „Jedes Unternehmen muss definieren, welchen Prozentsatz seiner Gewinne es in seinen Auslandsaktivitäten aufs Spiel setzen will – und über welchen Zeitraum“,, sagt Kevin Grant, Geschäftsführer Internationale Zahlungen bei Moneycorp, einem Devisenhändler. Wenn das Unternehmen weiß, welchen Verlust aus Währungsschwankungen es für akzeptabel hält, hat es ein Minimalziel für das Risikomanagement.

Für ein Unternehmen, das in einen Auslandsmarkt gerade erst einsteigt und zunächst nur wenig Umsatz erwartet, kann die Option „Gar nichts machen„ am sinnvollsten sein. Währungsverluste sollten jedoch transparent sein. Die meisten Buchhaltungssysteme haben Funktionen für die Verwaltung mehrerer Währungen. Sie errechnen automatisch den Kursgewinn oder -verlust, indem sie die in einer Währung fakturierte Summe mit der Summe vergleichen, die sich nach dem Umtausch in eine andere Währung ergibt. Diese Information reicht nicht aus, um den künftigen Währungsbedarf einer Firma zu planen – denn meistens enthalten die Zahlen Bankgebühren, die nicht separat aufgeführt sind. Sie hilft jedoch, die Gewinne und Verluste aus Währungsschwankungen zu berechnen und eine geeignete Strategie festzulegen.

Nichts zu tun – also das Risiko nicht abzusichern – ist bei großen Einnahmen unklug, sagt Isabel Hahn, Geschäftsführerin von Glasbau Hahn in Frankfurt, einem Spezialisten für Glasvitrinen und Lamellenfenster. „Wir hatten einige große Aufträge im Vereinigten Königreich, als das britische Pfund massiv gegenüber dem Euro verlor, und wir haben viel Geld verloren, weil wir das Risiko nicht abgesichert hatten“, sagt sie. „Das war uns eine Lehre.“

Um seine Währungsrisiken effektiver zu minimieren, ergriff Glasbau Hahn drei Maßnahmen. Erstens eröffnete die Firma ein in Dollar geführtes Konto in den USA, wo es durch eine Niederlassung in New York vertreten ist. Dieses Konto ermöglicht es Glasbau Hahn, kleinere Aufträge (unter 100.000 $) in Dollar anzubieten und auszuführen. Das Unternehmen erfasst seine Betriebskosten in den USA ebenfalls in Dollar und zieht sie von den Dollar-Umsätzen ab, wodurch ein Teil der Einnahmen bereits gegen Währungsrisiken abgesichert ist. Zweitens schließt die Firma für größere Aufträge Devisenterminverträge mit ihrer Bank, die den Wechselkurs – und damit den zu erwartenden Umsatz in Euro – zu dem Zeitpunkt festlegen, an dem das Projekt voraussichtlich endet. Drittens bietet das Unternehmen seinen Kunden einen Rabatt an, wenn sie vorab in Euro zahlen. Diese Strategie funktioniert insbesondere in Japan sehr gut.

Diese drei Maßnahmen haben das Währungsrisiko für Glasbau Hahn reduziert, aber es gibt immer noch Herausforderungen. Isabel Hahn hält die Bindefrist ihrer Angebote kurz oder sie macht einen bestimmten Wechselkurs zur Bedingung für ihr Angebot. Einige öffentliche Ausschreibungen verlangen aber Preisangebote, die bis zu einem Jahr gültig sind. Dieser lange Zeithorizont macht es schwierig, Währungsrisiken abzusichern. „Ich muss dann im Einzelfall entscheiden, ob wir teilnehmen wollen“, sagt sie. Ein weiteres Risiko ergibt sich, wenn die Fertigstellung eines Projekts länger dauert als geplant – und damit länger als das Devisentermingeschäft, mit dem das Währungsrisiko abgesichert werden sollte. Die Firma kann dann eine neue Absicherung gegen Währungsschwankungen erwerben, was jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Bei knappem Cashflow kann ein Exporteur seine offenen Posten in fremder Währung mit einem Abschlag an eine Factoring-Gesellschaft verkaufen. Damit erhält die verkaufende Firma das Geld sofort und sie umgeht das Währungsrisiko. Bei KMUs verursacht diese Option aber ein anderes Risiko, warnt Kevin Grant von Moneycorp. „Man kauft bei einem kleinen oder mittelständischem Unternehmen, weil man dort persönlichen Service erhält“, sagt er. „Wenn nun eine dritte Partei zwischen dem Verkäufer und dem Käufer ins Spiel kommt und der Käufer seine Rechnung von einer anderen, anonymen Organisation erhält, kann das die Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinem Kunden beeinträchtigen.”

1 Hedging FX Risk: Taking stock of the challenge for mid-caps and SMEs, 2014, by the accountancy body Association of Chartered Certified Accountants and Kantox, the foreign exchange provider.
2 „Importers, Exporters, and Exchange Rate Disconnect, “ Mary Amiti, Itskhoki Oleg, and Jozef Konings. 2014. American Economic Review, 104(7): 1942-78.

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